Die Schützenscheibe

Die Einsatzmöglichkeiten

Schützenscheiben finden bei vielen verschiedenen Anlässen der Schützen ihre Verwendung. Früher wurden die bemalten Holzscheiben direkt beschossen. Heutzutage werden die Scheiben meist nach einem Modus ausgeschossen. Nahezu jede Festlichkeit bietet den Schützenvereinen einen Grund, eine der verschiedenen Arten von Schützenscheiben auszuschießen – sprich einen Gewinner zu suchen. Zunächst möchte ich die Art und Weise wie Gewinner der Scheiben ermittelt werden, beschreiben.

Eine Geburtstagsscheibe
Bild einer Geburtstagsscheibe, ein Geschenk zum 80. Geburtstag.


Die Geber der Schützenscheiben bestimmen, auf welche Art und Weise die Holzscheiben ausgeschossen werden. Der Modus, wie der Gewinner ermittelt wird, ist regional sehr unterschiedlich. Meistens gewinnt der beste Schütze die Holzscheibe – der glückliche Gewinner hat dann die beste Serie oder den besten Teiler geschossen. Die beste Serie hat der Schütze, der bei 10 Schüssen die höchste Ringsumme erreicht. Bei einem Schuss kann man null bis zehn Punkte (sogenannte "Ringe") erreichen. Null Ringe bedeutet, dass die Scheibe verfehlt wurde und zehn, dass der Punkt in der Mitte verletzt ist. Den besten Teiler hat der Schütze, der den besseren Zehner und die kleinste Teilerzahl hat. Ein sehr schlechter Teiler wäre ein zum Beispiel ein 200-Teiler, der Punkt in der Mitte wäre gerade noch angekratzt. Als "Teiler" bezeichnet man die Abweichung des Treffers zur Schussmitte. Nur bei einem Zehner werden die Teiler ausgewertet dabei entspricht ein Teiler 1/100 mm.


Alternative Auswertungsmethoden für den Wettkampfschuss

Ein weiterer Modus ist auch die Kombination aus Teiler und Ringwertung. Diese kombinierte Wertung hat den Vorteil, dass auch nicht so leistungsstarke Schützen einen Preis gewinnen können. Ein Schützenverein ist immer eine Vereinigung aus Profischützen und nicht so leistungsstarken Schützen. Der Trend führt zur gleichmäßigen Verteilung der Gewinnchance der Schützenscheibe. Abhilfe schaffen hierbei die Glücksscheiben. Die Chance auf den Gewinn der Scheibe ist bei jedem Schützen gleich. Sogenannte Glücksscheiben gibt es in verschiedenen Ausführungen, beispielsweise mit Zahlenfeldern, karikativen Darstellungen oder mit mehreren Zielfeldern zu kaufen. Die originellste Glücksscheibe ist meiner Meinung nach das selbst gebastelte Ziel. Dies kann zum Beispiel das letzte Urlaubsfoto sein oder das übereinander kleben von Zeitungsausschnitten.

Wie ich eingangs schon von den vielen Festlichkeiten der Schützenvereine berichtet habe, werde ich diese nun erläutern.

Die Königsscheibe

Es ist das wichtigste Ritual der Schützenvereine – ein Königsschießen. Es wird auch in größeren Vereinigungen der Schützen durchgeführt. Beispielsweise küren Schützengaue ihre Gauschützenkönige und die Landesverbände der Schützen ihre Landes- oder Bundesschützenkönige. Schützenkönige genießen während ihrer Regentschaft ein besonderes Ansehen im Verein. Sie repräsentieren den Verein samt den eindrucksvollen Schützenketten. Von den Vereinen oder Verbänden erhalten die Schützenkönige als Dank und Anerkennung eine Königsscheibe.

Königsscheibe mit Gämsen
Das Abbild zeigt eine moderne Königsscheibe, wie sie heute noch verwendet wird.

Die Schützenlieslscheibe

Die Bedeutung der Schützenliesl ist regional sehr unterschiedlich. In einigen Schützenvereinen gibt es keine weiblichen Könige. Die beste Schützin wird hier zur Schützenliesl gekürt. In einigen Vereinen gibt es aber auch Damenkönige. Da ein Königspaar aus zwei Personen besteht, gehört zum Schützenkönig ein Schützenliesl. Im Umkehrschluss gehört zu jeder Schützenkönigin ein Schützenhansl. Somit hat die Schützenlieslscheibe ebenfalls mehrere Bedeutungen. So übergibt zum Beispiel der Schützenverein die Schützenlieslscheibe an die beste Schützin, der Schützenliesl. Im umgekehrten Fall stiftet die die Liesl des amtierenden Schützenkönigs die Scheibe dem Verein. Die Stifterin der Schützenscheibe entscheidet, nach welchem Modus die Scheibe vergeben wird. Die gestiftete Holzscheibe wird entweder im Vereinsheim aufbewahrt oder dem Gewinner mit nach Hause gegeben.

Die Hochzeitsscheibe

Oft stiften frisch Vermählte Hochzeitspaare den Schützenverein eine Hochzeitsscheibe. Die Schützenkameraden hatten sich am Tage der Hochzeit vor der Kirche eingefunden, um Spalier zu stehen. Sobald das Brautpaar die Kirche nach der Trauung verließ, bildeten die Schützen eine Art Tunnel, durch das sich das Brautpaar ihren Weg bahnen musste. Als Dank geben frisch verheiratete Paare dem Verein eine Hochzeitsscheibe, die meistens in Vereinsheimen aufbewahrt wird.

Die Geburtstagsscheibe

Geburtstagsscheiben werden vom Jubilar gestiftet. Das Geburtstagskind übergibt dem Verein zu gegeben Anlass eine Schützenscheibe, meist zu einem "runden" Geburtstag. Oft befindet sich ein Porträt in der Mitte der Scheibe, es können auch andere Motive zum Einsatz kommen.

Die Freundschaftsscheibe

Ab und an veranstalten Schützenvereine Freundschaftsschießen. Es treten die besten Schützen der beiden Vereine gegeneinander an. Bei diesem Ereignis geht es nicht vorrangig um den Sieg, vielmehr ist das gesellige Miteinander Sinn und Zweck des Schießens. Es findet je eine Hinrunde und eine Rückrunde des Vergleichskampfes statt. Zur jeweiligen Runde nimmt der Gastverein eine Freundschaftsscheibe als Geschenk mit und übergibt sie dem Gastgeberverein.



Weitere Veranstaltungen

Die wichtigsten Feste der Schützenvereine habe ich bereits beschrieben. Schützenscheiben kommen auch bei vielen verschieden Jubiläen und Jahrestagen zum Einsatz. Zu einem Jubiläum wird eine Jubiläumsscheibe benötigt. Osterscheiben finden beim Osterschießen ihre Anwendung. Um die Jahreswende werden Silvesterschießen und Neujahrsschießen veranstaltet, hier wird der Gewinner der Silvester- oder Neujahrsscheibe gesucht. Bei einigen Volksfesten findet auch heute noch das Volksfestschießen statt. Das sicherlich bekannteste Volksfest, das Münchner Oktoberfest führt auch heute noch ein traditionelles Volksfestschießen durch, das "Oktoberfest – Landesschießen". Zu diesen festlichen Anlässen sind natürlich auch Schützenscheiben von Nöten – nämlich Festscheiben oder die Volksfestscheibe. In einigen Regionen gibt es sogar Schützenscheiben für Turniersiege, auf denen die Sieger niedergeschrieben sind. Die bemalten Holzscheiben finden ihren Einsatz auch bei Gaupokalschießen, Wanderkopalschießen oder Damenrunden. Hier kommen Damenpokalscheiben, Gaupokalscheiben, Wanderpokalscheiben oder Wanderscheiben zur Verwendung.